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Fotografische Interpretation eines Zitats.

Lehrveranstaltung 224453 Bildsprache & Fotodesign, Wintersemester 2025/26
Dozent:innen: 
Prof. Gabriele Kille, Thomas Weccard, Kristof Lange, Jörg Rohrbacher

Ungewöhnliche Fotostrecken – überraschend, mutig und experimentell interpretiert. Von Studierenden des Studiengangs Werbung und Marktkommunikation wurde ein Zitat aus dem Roman “Der Tausch, zwei Frauen, 2 Tickets und nur 1 Ausweg“ von Julie Clark neu interpretiert und fotografisch in einer Bilderserie umgesetzt.

In diesem Beispiel wir die mehrteilige Fotoserie von folgendem Zitat inspiriert: 
»Ich nehme den Koffer nicht mit. Ich hab mir einen Rucksack gekauft, in den etwas Kleidung zum Wechseln und mein Geld passt. Alles andere lasse ich da – einschließlich Handtasche und Portemonnaie.« Petra nickt. »Ich habe mit der Kreditkarte ein Zimmer im W-Hotel in Toronto gebucht, falls du eins brauchst. Sie erwarten dich.« Ich schließe die Augen, die Hitze macht mich benommen. Oder ist es der Druck, jede Kleinigkeit richtig zu machen? Mir darf nicht der geringste Fehler unterlaufen."

Konzeptbeschreibung

Das zentrale Thema des Zitats ist der innere und äußere Aufbruch. Das bewusste Zurücklassen von Gewohntem, das Tragen nur des Wesentlichen und das Finden von Standhaftigkeit und Orientierung in einer ungewohnten Umgebung. Die Umsetzung erfolgt dabei in einer abstrakten, visuellen Übersetzung des Zitats, bei der nicht jeder Satz eins zu eins in ein Bild übertragen wurde. In der Fotoserie wird die Hauptfigur männlich dargestellt, um die Thematik als universelle menschliche Erfahrung zu inszenieren und den Fokus auf den inneren Prozess statt auf das spezifische Geschlecht der literarischen Figur zu legen. Die Serie verwandelt das Zitat in eine Bildwelt, die die Stimmung der Hauptfigur spürbar macht und gleichzeitig die Symbolik der Geschichte sichtbar werden lässt.

Das Set und die Requisiten fungieren in der Serie als zentrale Bedeutungsträger und strukturieren die visuelle Erzählung des Übergangs. Gegenstände wie etwa der Koffer und die Tasche stehen für Besitz, Reduktion und bewusste Auswahl. Während der Koffer das Zurücklassen des bisherigen Lebens und materieller Sicherheiten markiert, verweist die kleine, offene Tasche auf das Tragen des Nötigsten und eine Haltung des Loslassens. Orte wie Bahnstationen, Treppen und Rolltreppen werden als Übergangsräume genutzt, die Aufbruch, Entscheidungen und das Unterwegssein zwischen zwei Lebensphasen sichtbar machen. 
Spiegelungen in Fenstern und das Filmband im Hintergrund geben der äußeren Handlung eine zusätzliche, innere Ebene. Sie stehen für Selbstreflexion, Zeitfluss und den inneren Druck, in einer Situation des Übergangs keine Fehler zu machen. Die Umgebung ist dabei keine bloße Kulisse, sondern wirkt als aktiver Resonanzraum, der Unsicherheit, Orientierungssuche und das Spannungsfeld zwischen Standhaftigkeit und Überforderung spürbar macht. 
Set und Requisiten verdichten die emotionalen und erzählerischen Ebenen der Serie und lassen den inneren Prozess der Hauptfigur durch räumliche und symbolische Elemente erlebbar werden.

Das Farbkonzept der Fotoserie ist bewusst realistisch, reduziert und zurückhaltend und unterstützt den inneren wie äußeren Aufbruch der Hauptfigur. Die Farbpalette bleibt bewusst zurückhaltend und ergibt sich aus der Stimmung und dem Erscheinungsbild der urbanen Schauplätze. Auf kräftige oder leuchtende Farben wird bewusst verzichtet, um Ablenkung zu vermeiden und den Fokus auf Handlung, Raum und Körperhaltung zu lenken. Leichte Unterschiede in der Farbtemperatur sind Teil des Konzepts und spiegeln die reale Situation wider, ohne die ruhige Gesamtwirkung der Fotoserie zu verlassen. 

Der Bildaufbau ist bewusst variabel. Durch den Wechsel von Halbtotalen, nahen Einstellungen und einer Totalen entsteht eine visuelle Erzählung, die zwischen räumlicher Orientierung und inhaltlicher Verdichtung wechselt und den inneren wie äußeren Aufbruch der Hauptfigur unterstützt.

Halbtotalen verorten die Hauptfigur in urbanen Transiträumen und machen Übergangssituationen sowie Momente bewusster Entscheidung und Neuorientierung sichtbar. Nahe Einstellungen und halbnahe Einstellungen konzentrieren auf das Wesentliche, nämlich auf die zentralen Objekte, Gesten und die innere Befindlichkeit der Hauptfigur und vertiefen den Prozess des Loslassens sowie der Selbstreflexion. Eine Totale in Bild sechs stellt die Hauptfigur der bewegten Umgebung gegenüber und betont das Spannungsverhältnis zwischen innerer Standhaftigkeit und äußerem Chaos.
Der Wechsel zwischen Distanz und Nähe steuert Aufmerksamkeit und Erzähltempo und unterstützt den Prozess des Loslassens und der Neuorientierung.

Studentisches Team:
Leni Hilpert, Emanuel Krol, Dominik Hirsch, Levin Fuss

Fotogalerie.

Weitere Motive der Fotostrecke.

Bild 6

Bild 7