Express your ideas: "Machtstrukturen im Business"
Lehrveranstaltung 224453 Bildsprache & Fotodesign, Wintersemester 2025/26
Dozent:innen:
Prof. Gabriele Kille, Thomas Weccard, Kristof Lange, Jörg Rohrbacher
In dieser Lehrveranstaltung wird den Studierenden zunächst das nötige Basiswissen in Kamera- und Beleuchtungstechnik, Aufnahme und Bildbearbeitung vermittelt. Darauf aufbauend entsteht am Ende das Fotoshooting, in dem die einzelnen Komponenten dann zusammenfließen.
Bei „Express your ideas“ stehen die Studierenden selbst im Mittelpunkt der Aufgabenstellung. Innerhalb eines Viererteams sollen sie ein Bild von sich, in einem frei wählbaren gemeinsamen Kontext, erstellen. Ist das Konzept abgestimmt und umsetzbar, werden im Anschluss die Feinheiten jeder einzelnen Aufnahme herausgearbeitet. Hier geht es um Atmosphäre, um Lichtstimmung, aber auch um die Requisiten, das Styling, Outfit und Make-Up.
Grundidee und inhaltliches Konzept
Die vorliegende Portraitserie thematisiert den nach wie vor bestehenden Gender Pay Gap sowie gesellschaftlich verankerte Machtstrukturen in der Arbeitswelt. Ziel der Arbeit ist es, Frauen bewusst in eine machtvolle, dominante Position zu inszenieren und Verhaltensweisen darzustellen, die in der Wirtschaftswelt häufig mit männlichen Führungspersonen assoziiert werden.
Durch die Überzeichnung sogenannter „toxischer“ Boss-Eigenschaften – Aggression, Manipulation, Drogenkonsum und Überheblichkeit – wird die Doppelmoral sichtbar gemacht, mit der männliches und weibliches Führungsverhalten bewertet wird. Eigenschaften, die bei Männern oft als durchsetzungsstark oder erfolgreich gelten, werden bei Frauen negativ konnotiert.
Die Serie hinterfragt diese Wahrnehmung und stellt Frauen selbstbewusst als handelnde, dominante Akteurinnen dar.
Inszenierung und Bildaussage der Portraits
Portrait 1 – Aggressionsproblem
Mara wird in einem Moment extremer Emotionalität gezeigt, während sie schreiend in einen Telefonhörer spricht. Die aggressive Körpersprache und der direkte Ausdruck stehen für autoritäres, abwertendes Führungsverhalten gegenüber Mitarbeitenden.
Portrait 2 – Manipulation
Sarah wird aus einer Untersicht durch eine Glasplatte fotografiert, auf der Schachfiguren arrangiert sind. Die Figuren symbolisieren Mitarbeitende, die wie Spielfiguren strategisch verschoben werden. Die Perspektive verstärkt die Machtposition und vermittelt Kontrolle und Berechnung.
Portrait 3 – Drogenkonsum
Liz sitzt lässig auf der Tischkante, mit einer selbstgedrehten Zigarette aus einem Geldschein und einem Whiskeyglas in der Hand. Das Bild thematisiert exzessiven Lebensstil, Leistungsdruck und moralische Grenzüberschreitungen, die im Business-Kontext häufig tabuisiert werden.
Portrait 4 – Überheblichkeit und Pay Gap
Marisa sitzt zurückgelehnt am Schreibtisch, die Füße überkreuzt auf der Tischplatte. Geldscheine dienen als Fächer, während sie von einem Geldregen umgeben ist. Das Bild verweist ironisch auf Gehaltsungleichheit und Überheblichkeit in Machtpositionen.
Bildsprache, Mood und Lichtkonzept
Die emotionale Stimmung der Serie ist bewusst kühl, distanziert und dominant. Das Licht ist klar und kontrastreich gehalten, ohne starke Schatten oder dramatische Farbigkeit. Die neutral-weiße Studioästhetik erzeugt eine sachliche, fast sterile Büroatmosphäre, die den Fokus vollständig auf Mimik, Gestik und Inszenierung der Personen lenkt. Schwarze Akzente in Requisiten und Kleidung verstärken die Strenge und Autorität der dargestellten Figuren.
Set, Styling und Requisiten
Das Setting besteht aus einem minimalistischen Studioaufbau mit weißem Hintergrund und einem weißen Schreibtisch mit schwarzen Details. Alle Protagonistinnen tragen maskuline Business-Anzüge mit Krawatte, um klassische Machtcodes der Arbeitswelt bewusst zu zitieren und umzudeuten. Requisiten wie Telefon, Schachfiguren, Geldscheine, Whiskeyglas und Zigarette fungieren als symbolische Verstärker der jeweiligen Charaktereigenschaften.
Bildaufbau, Perspektiven und Bearbeitung
Die Bildkompositionen sind klar, reduziert und frontal angelegt, mit gezielten Perspektivwechseln zur Betonung von Dominanz. Der Bildausschnitt konzentriert sich auf Oberkörper und Gesicht, um Ausdruck und Körpersprache hervorzuheben. Die Bildbearbeitung ist zurückhaltend und realistisch, um die Inszenierung glaubwürdig und zeitlos wirken zu lassen.
Studentisches Team:
Sarah Pfeuffer, Marisa Ochs, Mara Meier, Liz Wolf